Kulturveranstalter

Oskar Maria Graf-Gesellschaft e.V. München

Adresse

Salvatorplatz 1
80333
München

Kontakt

Telefon: (08152) 702 18
Fax: (08152) 72 03

http://www.alg.de/gesellsc/g-mitgl/graf.htm

Mit Blick auf seinen 100. Geburtstag im Jahre 1994 und auf Anregung der Stadt München gründeten 1992 vierzig Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Oskar Maria Graf-Gesellschaft e.V. Erstmals konnte der wichtigste bayrische Erzähler des 20. Jahrhunderts gebührend dargestellt und dank erheblicher öffentlicher Gelder auch gefeiert werden. Immer wieder hatte Zeitgeschichte die Fundierung seiner literarischen Geltung durchkreuzt: Seinen Anfängen während der Zwanziger Jahre stand die neoklassische münchner Szene entgegen, die einen humoristischen und in Mundart schreibenden Autor ignorierte. 1933 entkam der von den Nazis sogenannte "Novemberverbrecher", der sich an der Müncher Räterepublik nur marginal beteiligt hatte, gerade noch rechtzeitig ins Wiener Exil, mußte aber von dort mit dem Aufruf "Verbrennt mich!" gegen die Vereinnahmung der meisten seiner Bücher als 'bodenständige' Literatur protestieren. Während des Exils in Wien, Brünn und New York stand der dezidierte Pazifist wiederholt zwischen den Fronten der verjagten Autoren. Nach dem Zweiten Weltkrieg beeinträchtigten Ausgaben in der DDR die Verbreitung in der BRD. Man nahm dem Staatenlosen auch übel, daß er nicht zurückkehrte; dabei fehlte ihm dafür bis 1958 das Re-enter-Permit in die USA. Nicht vor 1975 begann man in München mit der ersten Gesamtausgabe seiner Werke! Nach dem Urteil Thomas Manns, Bert Brechts und vieler Leser unterschiedlichster Provenienz liegt deren unvergänglicher Wert in der einzigartigen Erzählkunst, die Geschichte aus einer Perspektive 'von unten' her aufrollt und mit gleicher Intensität autobiographisch die Problematik des werdenden Künstlers wie die Sensibilität sogenannter 'einfacher Leute' darstellt. Um diesem Werk nicht nur Wiedergutmachung, sondern überhaupt erst einmal die angemessene Wahrnehmung zu schaffen und zu sichern, zielt die OMG-Gesellschaft auf eine verstärkte Präsenz ihres Namensgebers. Dabei hat sie es nicht einfach: Einerseits widersteht der selbsternannte "Provinzschriftsteller" mit seinem Lebensmotto "Mit der Literatur hab' ich's nicht" jeder Überhöhung und 'Literarisierung'. Er wollte Zuhörer und Leser, keine Feiergemeinde. Andererseits stößt man auch nach dem Centenar-Anlaß noch auf Vorbehalte gegen den Realismus seiner Schilderungen: Daß diese landauf, landab in der bayrischen Heimatprovinz auch heute gelten, verstört die durch Ganghofer und Thoma geprägten / gepflegten Nationalstereotypen und die gängigen Leseerwartungen. Nur sehr langsam können sich die Bürgermeister zu Oskar Maria Graf-Straßen entschließen (immerhin in Puchheim 1993, Nürnberg 1995, Seefeld 1999)! Neben Bemühungen um eine zuverlässige Werkedition und intensivere Erforschung seiner Lebenszusammenhänge gibt es viel für Graf zu tun, und alle seine Leser sind zu Mitarbeit und Mitgliedschaft eingeladen.

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