Zwischen Weihnachtszauber und Menschenmassen – die Arbeit eines Weihnachtsmarktausstellers

Rothenburg ob der Tauber – Einen Stand auf einem der ältesten Weihnachtsmärkte Bayerns zu betreiben – wie kommt man dazu? Wo liegen die Hürden und worin liegt der Reiz am Aussteller-Dasein? Ein Blick hinter die Kulissen.

Ein Beitrag von: Sofia Ammon
Kamera: Sofia Ammon, Stefanie Kriesten, Ruth Binder
Schnitt: Sofia Ammon
Ton: Sofia Ammon, Stefanie Kriesten
Text (Website): Stefanie Kriesten

Seit 12 Jahren betreibt Michael Blank einen Stand am berühmten Alt-Rothenburger Weihnachtsmarkt, dem „Reiterlesmarkt“. Von den 1,9 Millionen Tagesbesuchern, die jedes Jahr die mittelalterliche Stadt besuchen, kommen allein zehntausende während der Adventszeit – auch für einen Besuch auf dem Markt. In der malerischen Kulisse zwischen Grünem Markt, Rathaus und Sankt-Jakobs-Kirche wird an 61 Ständen allerlei Weihnachtliches angeboten: von Kunsthandwerk, über Kulinarisches bis hin zu Winzerglühweinen ist das Angebot groß und vielfältig. Auf der Bühne am Rathaus gibt es ein Programm mit Musik und Gesang, außerdem wird jeden Abend ein von den Kindern Rothenburgs gestaltetes Adventsfenster geöffnet.

Michael Blank ist einer der Aussteller und betreibt seinen Stand hier schon seit zehn Jahren. Beim Besuch eines Weihnachtsmarktes in der Region kam dem gelernten Metallbauer vor 13 Jahren die Idee – direkt im Jahr darauf war er zum ersten Mal mit einer Bude und seinen selbstgefertigten Edelstahlprodukten auf dem Weihnachtsmarkt in Anwanden vertreten, zwei Jahre später wechselte er nach Rothenburg. Im Laufe der Jahre hat er sein Sortiment zwar um Fremdartikel erweitert, aber seine eigenen kunsthandwerklichen Produkte verkauft er nach wie vor.

Um Weihnachtsmarktaussteller zu werden, muss man sich in der Regel einige Kriterien erfüllen. Gerade bei städtisch organisierten Märkten gibt es viel zu beachten: das Sortiment und die geplante Präsentation der Artikel müssen dargelegt werden, außerdem muss die Bude visuell gewissen Vorgaben entsprechen. Die Plätze auf dem Weihnachtsmarkt werden an diejenigen vergeben, die damit in einem Punktesystem die höchsten Werte erreichen.

Teamarbeit und Internationales Publikum

Ganz allein könnte ein Händler seinen Stand kaum betreuen: bei Michael hilft die eigene Verwandtschaft tatkräftig mit. Auch zwischen den verschiedenen Händlern besteht ein kollegiales, teils sogar freundschaftliches Verhältnis. „Da ist kein Neid oder Konkurrenzdruck vorhanden. Wenn mal Not am Mann ist, hilft und unterstützt man sich gegenseitig“, erzählt er.

Eine Besonderheit am Rothenburger Weihnachtsmarkt hebt Michael hervor:
Das Publikum ist sehr international, da muss man auch mal mit Händen und Füßen kommunizieren. Außerdem braucht man ein gewisses kulturelles Fingerspitzengefühl – bisher hat das aber immer relativ gut geklappt.“

Kontaktfreudigkeit sei auch das A und O, wenn man Weihnachtsmarktaussteller werden möchte, „und man sollte Durststrecken ertragen können. Es kann auch gut sein, dass zwei Stunden lang einfach nichts passiert.“

In den nächsten Jahren, so plant der 52-Jährige, würde er gerne noch einen weiteren Weihnachtsmarkt beschicken – sofern er passendes Personal findet. Am Abend des 23. Dezember ist auf dem diesjährigen Reiterlesmarkt für die Aussteller dann Feierabend – bis zum nächsten Jahr. ­