26. März – 14. Juni 2026 | Neues Museum Nürnberg | Die Ausstellung TICHA. Retrospektive ist die erste umfassende Werkschau zu Hans Ticha im Westen der Republik und beleuchtet in Kooperation mit der Kunsthalle Rostock Tichas malerisches Werk in deutsch-deutscher Perspektive. Hans Ticha ist besonders in Ostdeutschland als Buchillustrator bekannt, seine Buchillustrationen prägten eine ganze Generation junger Leserinnen und Leser in der ehemaligen DDR.
Neues Museum Nürnberg: „TICHA. Retrospektive“ – Werkschau – Ausstellung
Christina Müller
Seine Malerei, beeinflusst von klassischer Moderne und Pop-Art, konfrontiert symbolische Figuren wie Fahnenschwenker, Parteikader, FDJ-Jugend oder Sportler in Szenen, die politische Propaganda und soziale Rituale demaskierten. Ticha bezeichnete diese Arbeiten selbst als „Agit-Pop“, eine ironische Umdeutung des Begriffs Agitprop.
Viele der politisch aufgeladenen Bilder entstanden im Verborgenen; sie wären in der DDR kaum öffentlich ausstellbar gewesen. Ticha sorgte in seinem Atelier im Prenzlauer Berg für Vorsicht – die Gemälde standen mit dem Gesicht zur Wand. Dazwischen waren kleine Papierstreifen geklemmt. So konnte der Künstler überwachen, ob jemand ohne sein Wissen Zugang zu den Bildern hatte. Heute sind es vor allem diese Werke, die im Zentrum des Interesses an seinem Schaffen stehen.
Thematisch umfasst die Retrospektive sechs Kapitel, die Tichas Entwicklung von frühen
Stadtbildern über Freizeit- und Sportdarstellungen bis hin zur Auseinandersetzung mit dem wiedervereinigten Deutschland nach 1990 nachzeichnen. Frühwerke zeigen eine malerische Formensprache, die kubistische Einflüsse und ein Interesse an alltäglichen Motiven wie Fischläden, Schiffen oder Frisiersalons verbindet.
Ein eigener Abschnitt widmet sich Tichas Darstellungen von Strandleben und weiblichen Akten, in denen Anleihen an Picasso und Fernand Léger deutlich werden; sie spiegeln zugleich Alltagskultur und sozialistische Ferienwelt der DDR wider. Ein Schlüsselmotiv für ihn wird der Sport. Die DDR instrumentalisierte ihn, um in ständiger Konkurrenz mit der Bundesrepublik die Überlegenheit des sozialistischen Systems zu beweisen. Die Dopingopfer bezahlten dafür einen hohen Preis. Tichas Bilder zeigen die Sportlerinnen und Sportler als gesichtslose, austauschbare Marionetten.
Die Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg präsentiert Tichas künstlerische Vielschichtigkeit: von seinen einflussreichen Kinderbuchillustrationen, die Teil des kulturellen Gedächtnisses der ehemaligen DDR sind, bis zu seinen politisch scharfsinnigen Gemälden, die ein bewegtes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte reflektieren.

