„Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“ – Sonderausstellung Haus der Bayerischen Geschichte

Das Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) in Regensburg beschäftigt sich seit langem intensiv mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“. In seinem Museum hat es vor allem die Seite der Integration in den Vordergrund gestellt. Schließlich galt es in den Jahren nach Kriegsende, Hunderttausende von deutschstämmigen vor allem aus Polen und der Tschechoslowakei Vertriebenen in das noch stark agrarisch geprägte Bayern einzubinden. Gerade die ländlichen Regionen, in die wegen der Wohnungsnot der zerstören Städte zuerst der Zustrom erfolgte, leisteten dabei Pionierarbeit. Umgekehrt brachten viele Vertriebene technisches und industrielles Know-how in das Land und erwarben sich erhebliche Anteile am wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er Jahre. Diese wichtige Epoche dokumentiert das HdBG durch Zeitzeugeninterviews und Sammelaktionen. Besonders intensiv verliefen die Arbeiten zur Corona-Zeit. Der Freistaat Bayern setzte hierfür zusätzliche Fördermittel ein. Das Resultat zeigt das HdBG in der Sonderausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“.
Ausstellungsdauer: 15.09.2021 – 15.04.2022

Haus der Bayerischen Geschichte

Sonderausstellung in der Bavariathek

Die Integration der Heimatvertriebenen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war eine der größten Herausforderungen der jüngeren bayerischen Geschichte, die trotz anfänglicher Schwierigkeiten aus heutiger Sicht als Erfolgsgeschichte gilt. Das Wirtschaftswunder als Gemeinschaftsleistung der alten und neuen Bayern begünstigt dabei den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen und die dauerhafte Integration.

Glaswaren aus Konstein im Landkreis Eichstätt, Nylonstrümpfe aus Immenstadt im Allgäu oder Back- und Puddingpulver aus Barbing bei Regensburg: Diese Produkte stehen für die Unternehmensgeschichten der Firmen Phönix, Kunert und Ernst Müller, erfolgreiche Gründungen von Heimatvertriebenen.

Diese Firmengeschichten spiegeln Kontinuitäten, Brüche und Neuanfänge im Leben der Vertriebenen wider. So auch bei Wenzel Meinl. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Meinl mit seiner Werkstatt für Blechblasinstrumente in Graslitz (Kraslice) im Sudetenland ansässig. Nach der Vertreibung beginnt die Familie ihre Werkstatt in einem ehemaligen Militärbunker in Geretsried wiederaufzubauen. Bald produziert sie für Kunden auf der ganzen Welt. Bis heute werden in Geretsried hochwertige Instrumente in Handarbeit gefertigt. In der Ausstellung ist ein Flügelhorn aus der Zeit der Neugründung des Betriebs zu sehen.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Ereignisse von 1945/46 widmet das Haus der Bayerischen Geschichte dem Thema „Flucht, Vertreibung und Integration“ eine Sonderausstellung in der Bavariathek, dem Projektzentrum des Hauses der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt.

Die Sonderausstellung ist von 15.09.2021 bis 15.04.2022 (Di.-Fr. 9-15 Uhr, Sa./So. 11-17 Uhr) zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

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