Museum Werdenfels: „Vergessene Künstlerinnen“ – Ausstellung

19. Juni 2026 – 14. Februar 2027 | Museum Werdenfels | Die Schau präsentiert drei Malerinnen aus drei Generationen mit sehr verschiedenen Lebensläufen und Kunstauffassungen: Hermine Biedermann-Arendts (1855 München – 1916 Garmisch-Partenkirchen), Anna von Schubert (1884 Riga – 1964 München) sowie Gusti Knight-Stinnes (1912 Mühlheim a. d. Ruhr – 1978 Garmisch-Partenkirchen). Das Werk der drei Künstlerinnen steht exemplarisch für viele Künstlerinnen, die zwischen Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurden, die sich mit Begabung, Konzentration und großer Ernsthaftigkeit der Malerei widmeten, deren Stimmen im Kunstbetrieb jedoch kaum Gehör fanden. Die Ausstellung zeigt, welche Herausforderungen es für die Künstlerinnen bedeutete, sich in einer Männerdomäne zu behaupten. Alle drei wählten stilistisch einen individuellen Weg, um ihre Kunst verwirklichen zu können und Nischen zu besetzen.

Christina Müller

Hermine Biedermann-Arendts (1855 München – 1916 Garmisch-Partenkirchen)

Als erste der drei Künstlerinnen besetzt Hermine Biedermann-Arendts eine spezielle Nische. Auf Anregung von August von Heckel begann sie als Fünfzehnjährige systematisch autodidaktisch zu malen. Nach ihrer Heirat mit dem Gymnasialprofessor Georg Biedermann 1874 nahm sie mehrere Jahre lang Privatunterricht bei Heinrich von Zügel, berühmter Tiermaler und späterer Professor an der Münchner Kunstakademie. Hier fand sie ihr Thema und zu ihrem individuellen Stil: Mit ihren technisch hervorragenden, oft humoristischen Tierbildern im Stil der Münchner Schule nahm sie regelmäßig erfolgreich an Ausstellungen in Berlin, London, Nürnberg oder München teil. Sie konnte sich gut auf dem Kunstmarkt behaupten. Kaiserin Elisabeth von Österreich, Prinzregent Luitpold oder Prinz Leopold von Bayern zählten zu ihren Käufern. Biedermann-Arendts gründete um 1880 eine Malschule für Frauen in München, die sie auch nach ihrem Umzug 1901 nach Landshut und später nach Traunstein dort weiterführte. Nach der Pensionierung ihres Mannes zog das Ehepaar mit den zwei Töchtern nach Garmisch-Partenkirchen, wo es die Villa Biedermann erbauen ließ und die Künstlerin eine neue Malschule für Frauen eröffnete.

Anna von Schubert (1884 Riga – 1964 München)

Aufgewachsen in Hamburg war Anna von Schubert dort zunächst Schülerin in einem privaten Atelier für Zeichnen und Malen. 1906/07 studierte in etwa zeitgleich mit Gabriele Münter Kunst an der Münchner Damenakademie. In Paris setzte sie sich bis 1913 intensiv mit dem Impressionismus auseinander und besuchte private Akademien, wie die Académie Matisse oder die Académie Vassilieff, um ihre künstlerische Ausbildung weiterzuverfolgen, zutiefst beeinflusst von Paul Cézanne. Nach der Hochzeit mit Paul von Schubert lebte sie in St. Petersburg, Estland, Südafrika und Japan und verbrachte mit ihrem Mann fast 20 Jahre in Shanghai, unterbrochen von langen Europareisen. Dieses Reise- und Wanderleben, das daraus resultierende schnelle Wahrnehmen, Zeichnen und Malen fremder Kulturen, zuletzt das Eintauchen in die asiatische Kunst führten seit Ende der 1920er Jahre zur Ausbildung einer eigenständigen Handschrift. Dabei konzentrierte sie sich darauf, ihre Motive immer reduzierter anzudeuten und die Skizzenhaftigkeit ihrer Zeichnungen auch in den Gemälden zu erhalten. Sowohl ihre Werke auf Papier als auch die Gemälde sind so durch eine fast flüchtige Leichtigkeit bestimmt. 1934 hatte sie eine erste erfolgreiche Ausstellung mit ihren ostasiatischen Motiven in der Galerie de Paris. Bis zum Tod ihres Mannes lebte von Schubert in den 1950er Jahren in Garmisch-Partenkirchen, zog dann nach München. Sie wurde 1962 bei einer Gruppenausstellung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus im Katalogtext wie in der Presse als Entdeckung gefeiert. Mit ihrem Tod 1964 geriet sie völlig in Vergessenheit.

Gusti Knight-Stinnes (1912 Mühlheim a. d. Ruhr – 1978 Garmisch-Partenkirchen)

Als Tochter des früh verstorbenen Unternehmers Gustav Stinnes wurde Gusti Knight-Stinnes von ihrer Mutter intensiv gefördert. Sie konnte bereits als sechzehnjährige Privatschülerin im Atelier von Kurt Schmid-Ehmen in München Bildhauerei studieren und 1930 ihre erste Ausstellung im Folkwang-Museum in Essen realisieren. Auch sie ging nach Paris, um sich dort weiterzubilden. Nach ihrer Hochzeit mit dem Biologen Eric Knight lebte sie zunächst in Großbritannien, wo sich ein Wechsel weg von der Bildhauerei hin zur Malerei vollzog. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland zog das Paar 1952 in das frühere Jagdhaus der Familie in Garmisch-Partenkirchen. Zurückgezogen, in der Stille der Bergwelt, schuf sie in 25 Jahren ein beeindruckend eigenständiges, von der surrealistischen Malerei beeinflusstes Werk. Masken, Menschenmassen, Hände und Handschuhe, verfremdete Stillleben und die Verbindung zwischen dem menschlichen Körper und der unbelebten Natur sind wiederkehrende Themen. Ihre Gemälde erinnern an Traumsequenzen und tiefenpsychologische Symbole. Mit ihnen verarbeitete die sensible und introvertierte Künstlerin traumatische Erlebnisse des eigenen Lebens. Sie stellte selten aus: 1956 zeigte sie Gemälde in einer Gruppenausstellung im Lenbachhaus, es folgten eine Einzelausstellung in der Galerie Schumacher (1961), Beteiligungen an Gruppenausstellungen im Haus der Kunst (1972–74) und eine Ausstellung in der Galerie Eichinger(1974), vier Jahre vor ihrem frühen Tod 1978.

Die Position von Frauen im Kunstbetrieb zwischen 1880 und 1980

Im 19. und auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es für Frauen schwierig, ein professionelles Kunststudium zu absolvieren. Der Zugang zu den staatlichen Akademien war Frauen in Deutschland verwehrt, an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in München bis 1919. Es gab nur die Möglichkeit, privaten Unterricht bei bekannten Künstlern zu nehmen oder eine private Malschule zu besuchen. Die größte Auswahl an privaten Akademien boten München und Paris, die Kunstmetropole schlechthin. Alternativ ergriffen die Frauen selbst die Initiative wie mit der Gründung des Münchner Künstlerinnenvereins 1882 und der Eröffnung der Münchner Damenakademie in Schwabing 1884.