Handwerk, Hammerköpfe und Herz: Die Klavierwerkstatt Kreisel in Fürth widmet sich seit Generationen ihrer Leidenschaft

In sechster Generation führt die Familie Kreisel bereits den Traditionsbetrieb, der seit seiner Gründung in Familienhand liegt.

Ein Beitrag von Sergey Khachatryan & Minh Anh Nguyen
Kamera & Licht: Nina Glaser, Adrian Hoffmann, Lara Schaller
Ton & Schnitt: Sergey Khachatryan

In der Fürther Schwabacher Straße rast das Leben wortwörtlich – und das in all seiner Geschwindigkeit. Innerhalb der roten Backsteinmauern hinter der Nummer 106 herrscht jedoch ein Gefühl der Entschleunigung, denn Präzision und Leidenschaft stehen in den Räumen und Werkstätten von Klavier Kreisel im Vordergrund. Seit vielen Jahrzehnten widmet sich die Familie Kreisel mit feinem Gehör, handwerklicher Präzision und einer Portion Leidenschaft dem Stimmen, Warten und Instandsetzungen von Tasteninstrumenten.

In sechster Generation führt die Familie Kreisel bereits den Traditionsbetrieb, der seit seiner Gründung in Familienhand liegt. Bei der Firmengründung 1864 erhielt Konrad Kreisel, damals noch in Nürnberg, die Lizenz zum selbstständigen Klaviermacher. Neben eigenen Instrumenten war bereits der erste Kreisel zudem Vertreter vieler Klavierfirmen. Über Generationen wuchs das Unternehmen, es wurde immer bekannter – 1918 begann auch die eigene Produktion, die Jahre später jedoch eingestellt werden musste. 1948 zog das Unternehmen nach dem zerstörerischen Krieg nach Fürth.

Sechste Generation Kreisel: Wie eine Werkstatt mit der Zeit geht

Aktuell führt Thomas Kreisel gemeinsam mit seiner Mutter Sylvia Kreisel den Betrieb. Im Gespräch erklärt Thomas, dass auch ihm die Liebe zum Piano in die Wiege gelegt wurde: Und so ist es beim Klavierspielen auch.“ Nachdem er in den Räumen aufwuchs, begann er seinen Ausbildungsweg, der ihn durch ganz Deutschland und bis in die Schweiz führte – schlussendlich entschied sich der Klavierbauer jedoch für die Familienwerkstatt. Zurück in der Heimat kam es Kreisel schließlich wieder: Er erkannte all die Parallelen zu seinem Großvater, wie auch er einst in den Gängen des Familienunternehmens langstolzierte. „Ich glaube, das war einer der Momente, wo ich gesagt habe: ‚Ja, ich fühle mich richtig wohl‘.“

Heute kümmert sich Thomas Kreisel nicht nur um seine Kundinnen und Kunden sowie seinen Instrumenten – sondern bildet auch aus. Mehr zum Beruf des Klavierbauers, hier:

Seitdem sich Thomas Kreisel daran erinnern kann, war die Firma Kreisel schon immer serviceorientiert, betont er im Gespräch. Von Generation zu Generation verändert sich die Arbeit aber natürlich; so gibt es beispielsweise viele Unterschiede gegenüber seinen Eltern darin, wie Thomas Kreisel sein Handwerk ausübt.

Ausschlaggebend ist natürlich die Zeit, in der man agiert, erklärt Kreisel. Anders als bei seinen Eltern spielen Social Media und die Digitalisierung eine viel bedeutendere Rolle. Als Familienbetrieb gibt es immer eigene Energien, bedeutend ist aber, dass man sich besser streiten kann, ohne dass Erde verbrannt wird, so der gelernte Klavierbauer. Wichtig ist den Kreisels die klare Verantwortungstrennung. Während sich Sylvia Kreisel beispielsweise viel um die Finanzen kümmert, setzt sich Thomas auch vor die Kamera, um über die Instrumente zu reden und Wissen zu vermitteln.

In der Konversation über Tradition und Moderne gibt es zwischen Sylvia und Thomas lustigerweise aber wenig Streit, betont der Geschäftsführer. Denn wenn seine Mutter Kompetenzen abgibt und er in diesem Feld dann seine Dinge tut, führt das zu Verwunderungen – mehr aber auch nicht. „Sie sagt dann halt: ‘Du spinnst mit deinem Scheiß’.“ Mehr Kontra gibt es danach nicht. „Also es gibt nichts, was zu großem Streit führt.“

Familie Kreisel – Klavierbauer aus Überzeugung

Auf die Frage, ob alle Kreisels Klavier spielen können, erklärt Thomas Kreisel schließlich: „Ich ziehe immer den Vergleich mit einem Kfz-Mechaniker, der keinen Führerschein hat: Geht, ist aber irgendwie komisch.“ Er selbst will seine Kinder nicht zum Spielen zwingen; wer den Beruf des Klavierbauers verfolgen möchte, sollte aber eine gewisse Fabel für das Instrument besitzen. „Der Beruf muss dich berühren.“

„Ich liebe Musik“, erklärt Kreisel plump. „Für mich ist das eigentlich die Definition von Magie, dass du mit physikalischen Schwingungen Gefühle erzeugen kannst.“