Seit der Jungsteinzeit praktiziert und von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt: Das traditionelle Flechthandwerk gilt als eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit und hat gleichzeitig keinen leichten Stand.
Das einst so bedeutende Handwerk praktizieren heute bundesweit nur noch etwa 400 Flechter*innen. Allein im bayerischen „Zentrum der Korbwaren“, dem oberfränkischen Lichtenfels, waren es während der Hochkonjunktur der Korbmacherei zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch über 3.000 Kleinbetriebe. Schätzungsweise verdienten dort bis zu 15.000 Menschen mit Korbwaren ihren Unterhalt. Heute erinnern nur noch wenige Zeugnisse wie das Deutsche Korbmuseum und die letzte verbleibende Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung von der einstigen Bedeutung der Region.
Besonders durch die Industrialisierung, technische Entwicklung und entstandene Materialvielfalt während des 19. und 20. Jahrhunderts verlor das Flechthandwerk nach und nach an Bedeutung und geriet zunehmend in Vergessenheit. Am Leben erhalten wird das Flechtwerk heute vor allem durch ein gut funktionierendes internationales Netzwerk, hochwertige Maßanfertigungen und moderne Interpretationen. Die verbleibenden Flechtwerkgestalter*innen entwickelten das Traditions-Handwerk weiter, so dass neben reinen Funktionsgegenständen vermehrt dekorative Elemente mit hohem emotionalem Wert zur Geltung kamen.
Der Begeisterung für die alte Technik hat sich auch die junge Gestalterin Jennifer Rubach verschrieben, die im oberfränkischen Hallstadt bei Bamberg eine eigene kleine Werkstatt samt Online-Shop in Eigenregie unterhält. Mit ihrem eigens entwickelten Portfolio präsentiert die Flechtwerkgestalterin neben klassischen Korbbehältnissen vielseitige und moderne Erzeugnisse mit künstlerischer Hingabe. Im Video erklärt die Wahl-Bambergerin, was das Flechtwerk für sie bedeutet, wie sie ihre Leidenschaft dafür entdeckte und mit welchen konkreten Herausforderungen viele Gestalterinnen und Gestalter heute umgehen müssen. Ein Beitrag über die Passion Flechtwerksgestaltung und eine einzigartige Handwerkskunst.

